Lin über Frauenfiguren in Romance Büchern, die eigentlich keine braven Protagonistinnen sind – und genau deswegen unvergesslich.
Romance hat ein stilles Problem. Und ich sage das als jemand, die das Genre liebt: Viele Hauptfiguren sind zu brav. Sie sind sympathisch, verständnisvoll, ein bisschen unsicher, und am Ende natürlich das Beste, was dem Love Interest je passiert ist. Das ist schön. Das funktioniert. Aber es sind die anderen Frauen, die ich nicht vergesse.Die, die lügen. Die manipulieren. Die eigene Ziele verfolgen, die mit Moral nicht viel zu tun haben. Die falsche Entscheidungen treffen und das manchmal nicht mal bereuen. Diese Frauen bekommen selten die Hauptrolle – und wenn sie sie doch bekommen, wird das Genre nervös und weiß nicht, wie es damit umgehen soll.Diese Liste ist für genau diese Frauen. Siebzehn Antiheldinnen und morally grey Protagonistinnen aus Romance Büchern, die ich heimlich viel interessanter finde als die Hauptfigur daneben. Manchmal sind sie selbst die Hauptfigur. Manchmal wünschte man sich, sie wären es.
Inhaltsverzeichnis
1. Kat aus Ghost – Solange du mich brauchst | Lin Dox
Kat ist keine einfache Protagonistin. Sie ist misstrauisch, sie lässt niemanden rein, und sie trifft Entscheidungen, die man nicht immer nachvollziehen kann – weil sie aus einer Geschichte kommen, die man erst nach und nach versteht. Sie ist gebrochen auf eine Art, die sie nicht liebenswerter macht, sondern echter. Kat kämpft nicht darum, dass andere sie mögen. Sie kämpft darum, sich selbst nicht zu verlieren.
Das ist die Art von Protagonistin, die ich schreiben wollte. Eine, die man nicht sofort versteht – und die man deswegen nicht vergisst.
Trigger-Warnungen im Buch – bitte lesen. Ab 18.
2. Feyre aus A Court of Thorns and Roses | Sarah J. Maas
Feyre fängt als klassische Heldin an – und wird im Verlauf der Reihe zu etwas ganz anderem. Wer nur Buch eins kennt, kennt sie nicht wirklich. Die Feyre aus A Court of Mist and Fury ist jemand, der gelernt hat, dass Güte allein nicht schützt, und der entsprechend handelt. Maas lässt ihre Protagonistin wachsen auf eine Art, die nicht immer bequem ist – und das ist genau das Richtige.
Trigger-Warnungen für Gewalt und emotionale Schwere. Ab 18.
3. Jude aus The Cruel Prince | Holly Black
Jude Duarte ist die beste Antiheldin des Fantasy-Romance-Genres. Sie ist nicht mächtig, nicht besonders, und trotzdem entscheidet sie, die gefährlichste Person im Raum zu werden – durch Intelligenz, durch Rücksichtslosigkeit, durch einen Willen, der keine Kompromisse kennt. Black schreibt sie ohne Entschuldigungen, und das ist der Grund, warum Jude so unvergesslich ist.
Trigger-Warnungen für Mobbing und Gewalt. Ab 16.
4. Adeline aus Haunting Adeline | H.D. Carlton
Adeline ist auf den ersten Blick ein klassisches Opfer ihrer Geschichte. Auf den zweiten ist sie jemand, der sehr genau weiß, was er will – und sich das trotz allem nimmt. Carlton gibt ihr keine einfache Heldinnenreise, sondern eine, die moralisch so verworren ist wie alles andere in diesem Buch. Adeline ist nicht immer sympathisch. Aber sie ist immer fesselnd.
Sehr schwere Trigger-Warnungen. Ab 18.
5. Lara aus The Bridge Kingdom | Danielle L. Jensen
Lara wird als Spionin ausgebildet, heiratet einen König, den sie verraten soll, und tut lange Zeit genau das, wofür sie ausgebildet wurde. Jensen schreibt sie ohne den üblichen inneren Monolog voller Schuldgefühle – Lara handelt, weil sie eine Mission hat, und die Ambivalenz darüber kommt erst, wenn es bereits zu spät ist. Eine der komplexesten Protagonistinnen im Fantasy-Romance-Bereich.
Trigger-Warnungen für Gewalt. Ab 16.
6. Verity aus Verity | Colleen Hoover
Verity Crawford ist technisch gesehen keine Protagonistin – sie ist die Frau, um die sich die Geschichte dreht, ohne selbst anwesend zu sein. Und trotzdem dominiert sie das gesamte Buch. Was Hoover mit dieser Figur macht, ist eines der mutigsten Dinge, die ich im Genre je gelesen habe – weil Verity bis zur letzten Seite eine Frage bleibt, die keine eindeutige Antwort hat.
Trigger-Warnungen für psychologische Themen und dunkle Inhalte. Ab 18.
7. Erika aus Corrupt | Penelope Douglas
Erika Fane wäre in einem anderen Buch die Protagonistin, die man bemitleidet. Douglas lässt das nicht zu. Erika wird zu jemandem, der zurückschlägt – nicht laut, nicht sofort, aber auf eine Art, die dem gesamten Buch seinen Biss gibt. Corrupt funktioniert nur, weil Erika keine passive Figur ist. Sie entscheidet. Auch wenn die Entscheidungen falsch sind.
Trigger-Warnungen für Mobbing, Gewalt und Manipulation. Ab 18.
8. Paedyn aus Powerless | Lauren Roberts
Paedyn überllebt in einer Welt, die sie töten würde, wenn sie die Wahrheit kennen würde. Ihre gesamte Existenz ist eine Lüge, und Roberts schreibt das nicht als moralisches Problem, sondern als Überlebensstrategie. Paedyn ist nicht unbedingt eine gute Mensch – sie ist eine clevere. Und im Genre der Romantasy ist das seltener als man denkt.
Trigger-Warnungen für Gewalt. Ab 16.
9. Jules aus Twisted Hate | Ana Huang
Jules Bennett ist das, was andere Bücher eine schwierige Frau nennen würden. Sie ist direkt, sie ist hart, und sie macht keine Anstalten, das zu ändern, damit Josh sie besser leiden kann. Twisted Hate ist das stärkste Buch der Reihe, weil Jules eine Protagonistin ist, die ihre Ecken und Kanten nicht versteckt – und der man deswegen jede Reaktion abnimmt.
Trigger-Warnungen für emotionalen Missbrauch. Ab 18.
10. Poppy aus From Blood and Ash | Jennifer L. Armentrout
Poppy soll heilig und unberührbar sein. Sie ist es nicht. Armentrout gibt ihr von Anfang an eine Eigenwilligkeit, die sich gegen jede Erwartung richtet, die die Welt an sie hat – und das macht sie zu einer der interessantesten Protagonistinnen im Fantasy-Romance-Genre. Poppy entwickelt sich über die Reihe hinweg in eine Richtung, die man auf Seite eins noch nicht ahnt. Und die sich im Nachhinein absolut logisch anfühlt.
Trigger-Warnungen für Gewalt. Ab 18.
11. Emily aus Vicious | L.J. Shen
Emily wird von Baron Spencer systematisch erniedrigt – und entscheidet sich trotzdem nicht dafür, die Rolle des Opfers zu spielen. Shen schreibt sie als jemanden, der Würde unter Bedingungen bewahrt, die keine Würde erlauben, und das macht sie stärker als jeden Love Interest, den ich im Genre kenne. Emily ist der Grund, warum Vicious mehr ist als ein toxischer Romance Roman.
Trigger-Warnungen für Machtmissbrauch. Ab 18.
12. Mallory aus Check & Mate | Ali Hazelwood
Mallory hat dem Schach den Rücken gekehrt, weil sie musste. Als sie zurückkommt, tut sie es zu ihren Bedingungen – oder versucht es. Hazelwood schreibt Protagonistinnen, die intelligent sind auf eine Art, die die Geschichte trägt, und Mallory ist die beste davon. Sie ist stur, sie ist manchmal ungerecht, und sie hat trotzdem immer recht.
Ab 16.
13. Lina aus The Spanish Love Deception | Elena Armas
Lina baut eine Lüge auf eine andere – und zieht Aaron mit rein, ohne zu fragen ob er das will. Armas schreibt das mit so viel Wärme und Humor, dass man lange braucht, um zu merken, dass Lina eigentlich keine besonders einfache Person ist. Genau das macht sie glaubwürdig. Niemand ist einfach.
Ab 18.
14. Kestrel aus The Winner’s Curse | Marie Rutkoski
Kestrel ist die Tochter eines Generals in einer Gesellschaft, die auf Sklaverei gebaut ist – und sie profitiert davon, lange bevor sie anfängt, daran zu zweifeln. Rutkoski schreibt keine Entschuldigungen für ihre Protagonistin, und das macht The Winner’s Curse zu einem der mutigsten Romance Bücher im Young-Adult-Bereich. Kestrel tut das Falsche. Oft. Und man versteht trotzdem immer, warum.
Trigger-Warnungen für Sklaverei und Gewalt. Ab 14.
15. Daisy aus Daisy Jones and the Six | Taylor Jenkins Reid
Daisy Jones ist selbstzerstörerisch, egozentrisch und die interessanteste Person in jedem Raum, den sie betritt. Reid schreibt sie im Interview-Format, was bedeutet, dass man Daisy nie ganz fassen kann – man sieht nur, was sie preisgibt, und ahnt, dass es nicht alles ist. Das macht sie zu einer der faszinierendsten Frauenfiguren, die ich in Romance-naher Literatur je begegnet bin.
Trigger-Warnungen für Sucht. Ab 16.
16. Ryen aus Punk 57 | Penelope Douglas
Ryen Trevarrow ist in der Schule grausam – zu genau den Menschen, mit denen sie in Briefen befreundet ist, ohne es zu wissen. Douglas gibt ihr keine einfache Entschuldigung dafür. Ryen ist feige, sie ist konformistisch, und sie weiß es. Die Frage, ob man jemanden mögen kann, der das Falsche tut, weil er Angst hat, zieht sich durch das gesamte Buch.
Trigger-Warnungen für Mobbing und Manipulation. Ab 18.
17. Tiernan aus Credence | Penelope Douglas
Tiernan ist schwer zu greifen. Sie ist passiv, sie ist verschlossen, und sie trifft Entscheidungen, die man nicht immer billigen kann. Douglas schreibt sie als jemanden, der gelernt hat, dass Wollen gefährlich ist – und der trotzdem anfängt zu wollen. Credence ist das leiseste Buch auf dieser Liste, und Tiernan ist die leiseste Protagonistin. Aber sie bleibt am längsten im Kopf.
Trigger-Warnungen für unkonventionelle Beziehungsdynamiken. Ab 18.
Was diese Frauen gemeinsam haben
Sie sind keine Heldinnen im klassischen Sinne. Sie lügen, sie manipulieren, sie treffen schlechte Entscheidungen und tragen Dinge in sich, die sie nicht immer zeigen. Und genau deswegen sind sie so gut geschrieben.
Romance Bücher brauchen Frauen mit Ecken und Kanten. Frauen, die man nicht sofort versteht. Frauen, die man manchmal nicht mal mag – und denen man trotzdem bis zur letzten Seite folgt, weil sie echt sind auf eine Art, die brave Protagonistinnen selten erreichen.
Kat aus Ghost ist eine von ihnen. Falls ihr eine Protagonistin sucht, die euch nicht erklärt, wie ihr sie zu finden habt – fängt dort an.
Happy Reading.




